Wie du als Autodidakt deine Zeit einteilst

Stundenpläne

Als Freilerner bzw. Autodidakt wirst du deine Zeit anders einteilen als in der Schule. Wenn man sich etwas selbstständig beibringt, kann man seine Zeit viel effizienter nutzen, da man sie an seine individuellen Bedürfnisse anpassen kann.

Auf meinem Lehrplan standen zum Beispiel unter anderem Mathe und Englisch. In Mathe hinkte ich hinterher wie ein arthritischer, alter Hund hinter einem Postauto, aber in Englisch musste ich im Grunde nur die Pflichtlektüre lesen, Sprachkenntnisse hatte ich bereits mehr als genug. In der Schule hätte ich nun in beiden Fächern jeweils vier Wochenstunden gehabt – in Mathe wahrscheinlich nicht genug um meine Defizite aufzuholen, aber gleichzeitig in Englisch vergeudete Zeit, denn ich wusste es ja schon.

Wie teilt man die Zeit am besten auf?

Als selbstbestimmter Lerner konnte ich Englisch „vernachlässigen“ und mich stattdessen umso mehr mit Mathematik befassen, denn dort hatte ich es sehr viel nötiger. Am Ende hatte ich in beiden Fächern eine glatte Eins. Um es anschaulicher zu machen: Ich habe Buch geführt und immer die Stunden aufgeschrieben, die ich vor meinen Büchern saß – in Mathe investierte ich knapp 250 Stunden, während Englisch mit 20 Stunden kaum auf meinem Stundenplan vertreten war.

So war es mit allen Fächern: ich konnte bei jedem Fach so viel Zeit investieren, wie ich es für nötig hielt. Auch in Physik steckte ich um ein Vielfaches mehr Zeit, als ich es bei Erdkunde tat, weil ich es dort einfach nötiger hatte.

45-minütige Lerneinheiten oder lieber ganze Tage mit nur einem Fach?

Die Zeit ist auch effizienter genutzt, wenn man für ein Fach intensiv lernt. Statt alles gleichzeitig zu machen aber von allem nur ein bisschen, wie es in der Schule ist, habe ich immer einzelne Sachen intensiv bearbeitet. Fünf Stunden Mathematik auf einmal können einen weiter bringen als zwei Wochen Unterricht. Eine Schulstunde ist nicht zu 100% effizient – es wird gelegentlich durcheinandergeredet, Blätter werden ausgeteilt, der Lehrer muss Organisatorisches besprechen, oder die Stunde fällt sogar ganz aus, weil es schneit, zu heiß ist oder der Lehrer auf eine Konferenz muss.

Ich habe den Stoff von drei Jahren Schule in etwa neun Monaten gelernt, doch ich sehe mich nicht als übermäßig intelligent. Die Zeitersparnis verdanke ich einerseits dem Umstand, dass ich unterwegs vieles bereits gelernt hatte, und andererseits meine Zeit sinnvoller einsetzten konnte. Im Schnitt arbeitete ich an einem Tag an zwei, manchmal auch drei Fächern, selten mehr. Ich bin davon überzeugt, dass die meisten Schüler das Schulfremdenabitur in ähnlich kurzer Zeit erlernen könnten, vorausgesetzt sie legen sich ins Zeug und arbeiten zielstrebig. Wer nicht auf Reisen geht muss eventuell etwas mehr Zeit einplanen um auch noch Englisch zu lernen, doch drei Jahre wird kaum einer benötigen.

Wie sah der typische Stundenplan aus?

Einen festen Stundenplan hatte ich nicht. Ich hatte mir lediglich selbst die Vorgabe auferlegt, an sechs Tagen in der Woche jeweils fünf Stunden zu lernen. Was genau ich an einem bestimmten Tag lernte wurde spontan entschieden und dann dokumentiert. Ich hatte mir einige leere Tabellen ausgedruckt, um jeden Tag meine fünf Stunden einzutragen – für mich war das ein effektiver Weg um sicherzustellen, dass ich mich auch daran hielt.

Ich arbeitete stets an der „größten Baustelle“. Ich hatte von allen Fächern die Lehrpläne und somit auch einen guten Überblick darüber, was ich schon wusste und was noch fehlte. In dem Fach, in dem am meisten fehlte, wurde auch am meisten gelernt – solange, bis ein anderes Fach weiter hinten lag. Auf diese Weise versuchte ich, in allen Fächern auf einem relativ hohen Niveau zu sein, satt mich auf einige wenige zu spezialisieren und andere zu vernachlässigen.

Wieveil Zeit investierte ich jeweils pro Fach?

Dank meiner Dokumentationen kann ich mehr oder weniger nachvollziehen, wie viel Zeit ich mit den einzelnen Fächern verbrachte. Leider gab es einige Wochen, in denen ich nichts aufschrieb, also sind alle Angaben lediglich gute Schätzungen:

Deutsch: 90 Stunden

Mathematik: 250 Stunden

Englisch: 20 Stunden

Geschichte: 160 Stunden

Musik: 60 Stunden

Geografie: 10 Stunden

Latein: 50 Stunden

Physik: 75 Stunden

Wie lange man sich mit welchem Fach beschäftigt wird sicherlich von Schüler zu Schüler stark unterschiedlich sein. Jemand, der in Mathematik etwas geschickter ist als ich (oder es sich nicht in den Kopf gesetzt hat, eine Eins zu schreiben) wird mit weit weniger als 250 Stunden auskommen. In Englisch müssen andere allerdings wohl mehr pauken, wenn sie nicht mehrere Monate in englischsprachigen Ländern verbringen können.

In der Schule werden alle Fächer einheitlich behandelt, was dazu führt, dass sich die eine Hälfte der Schüler langweilt und die andere nicht hinterherkommt.

4 thoughts on “Wie du als Autodidakt deine Zeit einteilst

  1. Die Tipps zum Zeit einteilen sind wirklich sehr gut. Das kann ich auch nur weiter empfehlen.
    Manchmal bin ich sehr an einem Thema interessiert und dann lerne ich es 6 Stunden lang. Ich denke es ist viel effektiver als immer versch. Themen im 45-Minuten-Takt durchzuarbeiten.

    Kamst du eig. irgendwann mal unter Zeitdruck? Wenn ja, was hast du dann gemacht?

    Liebe Grüße,
    Josi

    • Der Zeitdruck war einer der Hauptmotivatoren 😀 Ich hatte sehr oft das Gefühl, bei Weitem nicht genug zu lernen, was dazu geführt hat, dass ich noch mehr gelernt habe. Am Ende kam dann heraus, dass es doch nicht so knapp war wie ich dachte. Doch die ganze Extra-Arbeit hat bestimmt den Notendurchschnitt nicht negativ beeinflusst…

      Liebe Grüße, Esra

  2. Danke für deine Tipps!

    Meine Meinung nach könnte es besser seine die Fächer zu mischen. Vielleicht nicht wie in der Schule, wo viele zeit verloren wird, aber als ideal wäre stucken von etwa zwei stunden pro Thema investiert. Ich finde es sehr hart mich länger auf ein Ding zu konzentrieren.

    Ich bin aber sehr beeindruckt mit dein erfolg mit deinem Studium!

    • Sorry für die späte Antwort!

      Ja, etwas mischen ist immer sinnvoll. So hab ich es auch gemacht. Meist kamen an einem Tag zwei oder drei Fächer dran.
      Aber auch wenn ich mich nur mit Mathe befasst habe wwar das kein großes Problem, ich hab ja ausreichend viele Pausen eingelegt.

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